03. November: Welttag des Mannes oder “Männer werden anders krank als Frauen.”
Von ReR - MedToday! | 2. November 2010 | Kategorie: Online-Magazin | Kommentare deaktiviertDas Lied “It’s a Man’s Man’s Man’s World” aus dem Jahr 1966 von James Brown und Betty Jean Newsome könnte man frei mit “Die Welt ist in Männerhand!” übersetzen. Dennoch gibt es erst seit dem Jahr 2000 den Weltmännertag, der unter Anderem das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern soll.
Ins Leben gerufen wurde der erste Weltmännertag von Andrologen der Universität Wien. Gemeinsam mit der Stadt Wien, der Gorbatschow-Stiftung, Medical Connection und United Nations Office at Vienna (UNOV) wurde er das erste Mal offiziell in Wien veranstaltet. Anlass war auch ein statistisches Phänomen: Männer sterben früher als Frauen, das ist fast überall auf der Welt so. Es gibt wahrscheinlich auch biologische Ursachen dafür. Forscher untersuchen den Einfluss der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron auf das Immunsystem.
Eine entscheidende Rolle spielt aber auf jeden Fall das Verhalten. Männer gehen seltener zum Arzt.
Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Klinikum Hamburg-Eppendorf, sagt dazu: “Männer betreiben Reparaturmedizin, Frauen leisten Vorsorgemedizin.”
Der Mann quält sich erst zum Arzt, wenn ihm etwas weh tut. Ein Mann denkt häufig, er müsse stark sein und dürfe keine Schwächen zeigen. Dabei sollten sich Männer die Frage aus Herbert Grönemeyers “Männer” durchaus selbstbewusst stellen: “Wann ist der Mann ein Mann?”. Daneben schreckt auch die Angst, schlechte Nachrichten zu bekommen, das vermeintlich starke Geschlecht ab. Schließlich ist die Chance auf Heilung einer Krankheit umso größer, je früher sie erkannt wird.
Der Arzt erhebt beim Gesundheits-Check-up (ab 35 Jahren) die Eigen-, Familien- und Sozialanamnese und ermittelt im Gespräch und durch eine entsprechende Untersuchung (Ganzkörperstatus) das individuelle Risiko-Profil jedes Patienten. Blutuntersuchungen (Gesamtcholesterin und Glukose) und Urinuntersuchungen (Eiweiß, Glukose, rote und weiße Blutkörperchen, Nitrit) geben weiteren Aufschluss über den Gesundheitszustand. Krankheiten wie zum Beispiel Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen (HKL-Erkrankungen) können so frühzeitig diagnostiziert werden. Sollten daneben einige Faktoren nach der Anamnese für eine mögliche beginnende Erkrankung positiv sein, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Für die genannten Vorsorgeuntersuchungen ist keine Praxisgebühr zu zahlen. Dies gilt auch für die Befundmitteilung und die Beratung im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung, sowohl für Frauen als auch für Männer. Zusätzlich gibt es neuere Vorsorgeuntersuchungen, besonders im Laborbereich, für die bis jetzt noch keine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung besteht. Die Preise dafür liegen aber in einem moderaten Bereich.
Eine Vorsorgeuntersuchung soll also Krankheiten, oder die Tendenz dazu, so früh wie möglich erkennen. Jeder Allgemeinmediziner bietet diese Form der Vorsorgeuntersuchung an und sollte im zweijährigen Abstand wahrgenommen werden.
Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 30.000 Frauen und Männer an bösartigen (malignen) Tumoren des Darmes. Am häufigsten sterben Männer an Bronchial- und Lungenkrebs, am zweithäufigsten an Darmkrebs. Ein Teil der Darmkrebstodesfälle in Deutschland etwa könnte verhindert werden, wenn die Betroffenen rechtzeitig zur Vorsorge gingen. Männer ernähren sich auch schlechter, rauchen und trinken mehr. Sie sind gestresster und leben riskanter: sowohl beim Auto fahren, beim Sport oder bei der Berufswahl gehen Männer häufiger Gefahren ein als Frauen. Todesursache Nummer eins bei Männern sind Herz-Kreislauferkrankungen: 35.000 versterben pro Jahr an einem Herzinfarkt. Risikofaktoren sind unter anderem Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel.
Genauso wichtig wie die regelmäßige Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen ist also auch eine gesunde Lebensweise. Ein dritter Punkt ist die genetische Struktur der Chromosomen. Der Mann hat nur ein X-Chromosom und damit weniger genetische Informationen. Frauen besitzen aufgrund ihres doppelten X-Chromosoms einen viel größeren Reservepool: Sie haben etwa 1.500 Gene für die Herz-, Hirn- und Lungenfunktion. Nimmt man jedoch die obengenannten Faktoren weg, so werden Männer und Frauen fast gleich alt.
Gerade zwischen 20 und 30 könnten Männer ihren Lebensstil noch gut beeinflussen und negativen Folgen entgegenwirken.
Nun scheint sich das Problem auf andere Weise von alleine lösen, Mitte der achtziger Jahre lebten Frauen im Durchschnitt statt heute sechs noch sieben Jahre länger. Der Trend geht somit dahin, dass sich die Lebenserwartung der Geschlechter annähert. Nicht deshalb, weil Männer leben wie die Mönche, sondern weil Frauen inzwischen ähnlich viel arbeiten und entsprechend gestresster sind sowie ein ähnliches Rauch- und Trinkverhalten an den Tag legen wie Männer.
Die gemeinnützige Stiftung Männergesundheit fördert nach eigenen Angaben das Gesundheits- und Vorsorgebewusstsein bei Männern. Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit ist ein eingetragener Verein von Ärzten, die sich mit dem Thema Männergesundheit befassen.
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